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Selbstbestimmt leben inmitten der anderen.
Für Deutschland ist das wohl ein Novum: Menschen mit einer oder mehreren körperlichen Behinderung(en) bauen ihr eigenes Wohnhaus, nicht irgendeines, sondern ein Selbstbaupassivhaus vom Maurermeister Eckart-Rolf Hellmann aus Winsen an der Aller. Was für den Rest des Landes nach unglaublichem Mut oder gar Selbstüberschätzung klingen mag, ist für die Mitglieder und Verantwortlichen des Vereins zur Förderung Körperbehinderter e.V. Celle ganz normal. „Nennen Sie mir einen Grund, warum Menschen mit Behinderung kein Haus bauen sollten“, fordert die Koordinatorin Ursula Grudniok Zweifler heraus und trifft damit den Nerv des Systems: „Die Art und Weise der Fürsorge macht aus Behinderten Sonderlinge und grenzt sie aus. Für uns sind Symptome der Behinderung kein Anlass, ein bestimmtes Angebot nicht wahrzunehmen.“ Wie das funktioniert, demonstriert der Verein täglich. Jetzt, sagt die Diplom-Pädagogin, wolle man etwas wirklich greifbares und auf Dauer verbindliches für die Betroffenen schaffen – ein eigenes Haus mit eigenen Wohnungen, selbst gebaut und zwar mitten in das Leben der anderen hinein.
Keine Menschen zweiter Klasse
Um Integration wirklich zu leben, müssen behinderte und nicht behinderte Menschen die Chance haben, aufeinander zu treffen, miteinander umzugehen. Der ideale Ort dafür ist eine Villa aus der Gründerzeit im Celler Stadtteil Groß Hehlen, in guter Wohnlage und mit direkter Nachbarschaftsanbindung. Das alte Haus ist Sitz des Vereins und zugleich Zentrum der Begegnung für Behinderte und Menschen ohne Behinderung. Doch das alleine reicht nicht, behinderten Menschen ein möglichst „normales“ und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Was fehlt, sind Wohnungen, behindertengerecht nach den Vorstellungen der späteren Bewohner gebaut und mit Anbindung an den Alltag der „Anderen“. Und weil Menschen mit Behinderung ebenso innovativ wie zukunftsorientiert denken und handeln, wie alle anderen auch, hat man beschlossen, der Villa einen Anbau zu spendieren, nicht irgendwie von irgendwem gebaut. Nein: Der Neubautrakt wird ein Passivhaus sein - mit der Chance auf möglichst viel Eigenleistung. Für so ein Haus ist das Isorast®-System prädestiniert. Denn es basiert auf leichten Schalungselementen aus Neopor®, die nach dem Nut- und Federprinzip gesteckt werden, logisch und schnell nachvollziehbar.
Wir sind Baupartner für den Verein aus Celle. Die Frage, ob behinderte Menschen in der Lage sein können, ein Haus eigenhändig zu bauen, hat sich für mich noch nie gestellt. Die Stärke dieser Menschen ist nämlich ihr Teamgeist, ihre Fähigkeit, sich zu ergänzen. Was einer nicht kann, übernimmt der andere. So baut vom Rollifahrer bis hin zum Sehbehinderten jeder an diesem Haus mit – natürlich unter fachkundiger Anleitung, wie es alle anderen Bauherren auch tun.
Ich sehen den Celler Verein als Vorreiter echter Integrationsarbeit und Mutmacher für andere Organisationen. „Er zeigt mit diesem Bauprojekt, dass Menschen wegen Ihrer Behinderung noch lange keine Personen zweiter Klasse sind.
Behindertengerechtes Bauen
Das Passivhaus der Körperbehinderten erweitert die Gründerzeitvilla und ist mit ihr durch einen Gang verbunden. Dadurch wirken beide Häuser zwar als Ensemble, können aber auch für sich stehen. Die Bewohner gewinnen ein Maximum an Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden und genießen, wann immer sie es wollen, Geselligkeit in den Gemeinschaftsräumen. Das neue Haus wird behindertengerecht gebaut und ausgestattet: Breite Türöffnungen, entsprechend ihren Bedürfnissen eingerichtete Bäder zum Beispiel mit ebenerdigen Duschen sind wesentliche Merkmale dafür. Außerdem wird es über einen behindertengerechten Aufzug verfügen und außen über eine Auffahrrampe erreichbar sein. Fünf Appartements mit 27 bis 59 Quadratmetern Wohnfläche entstehen im Neubau. „Damit können wir zwar nicht allen Betroffenen unseres Vereines helfen, machen aber einen enormen Schritt in Richtung Eigenständigkeit“, erklärt die Vereinskoordinatorin Ursula Grudniok.
Projekt von der Aktion Mensch gefördert
Alle Mitglieder des Vereins haben Ideen und Vorstellungen in das Haus eingebracht. Mit dem konkreten Projekt ging es schließlich zur Aktion Mensch. – Die Bewerbung war erfolgreich. 40 Prozent der Investitionssumme für das Bauvorhaben steuert das Kuratorium der Aktion Mensch bei. Die NBank hat ein zinsgünstiges Darlehen vergeben und trägt zusätzlich 40 Prozent der Kosten für den besonderen Aufzug. Die übrigen Mittel stammen aus Fördertöpfen des Landes sowie vom Verein uns seinen Förderern. „Ganz abgesehen von der eigenen Arbeitsleistung unserer Mitglieder“, erklärt Ursula Grudniok.
Familienfreundlich und aufgeschlossen
Ganz wichtig ist den Verantwortlichen des Vereins der Wohnraum für ein bis zwei Familien, damit die gehandikapten Eltern ihre Kinder selber aufziehen können. „In der Regel werden solche Familien einfach auseinandergerissen“, weiß die Sozialarbeiterin Grudiok. In Celle genießen sie ganz nebenbei die Offenheit der Gemeinschaft und die Lebendigkeit des Hauses. Denn auch die Nachbarschaft wird in den Alltag der Begegnungsstätte und der behinderten Menschen einbezogen. „Wir pflegen hier schon jetzt ein wirklich gutes Verhältnis“, freut sich Ursula Grudniok, und lädt alle ein, am Bau des neuen Hauses teilzuhaben. Beachten Sie dazu die aktuellen Termine.
Der Verein
1974 gründeten betroffene Eltern den Verein zur Förderung Körperbehinderter e.V. Celle, um gemeinsam eine bessere Versorgung körper-, hör- und mehrfachbehinderter Kinder vor Ort zu erreichen. Heute zählt er 80 Mitglieder und eine große Anzahl von Förderern. Der Verein ist Träger der KIBiS, der regionalen Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle im Selbsthilfebereich. Das ist eine Anlaufstelle für Ratsuchende und Selbsthilfegruppen in der Stadt und im Landkreis Celle. Wesentlicher Schwerpunkt ist die aktive und tatsächliche Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft, wobei die Selbstverständlichkeit des Daseins an erster Stelle steht. „Wir wollen durch unsere Arbeit im Freizeitbereich behinderten und nicht behinderten jungen Menschen die Möglichkeit bieten, den Alltag des „Anderen“ kennen zu lernen, Andersartigkeiten zu akzeptieren und Gemeinsamkeiten zu entwickeln“, lautet die Selbstdefinition des Vereins.
Kontaktdaten:
Verein zur Förderung Körperbehinderter e.V. Celle
Alt Groß Hehlen 21, 29229 Celle
Telefon. 05141 28363, Telefax. 05141 487249
E-Mail: verein.koerperb@t-online.de
Übrigens: Man muss nicht betroffen oder Elternteil eines behinderten Kindes sein, um dem Verein beizutreten. Wer Interesse hat, aufgeschlossen ist und Integration fördern will, ist gern gesehen. Rufen Sie doch mal an.
Hürden und Stolpersteine
Gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern, künftigen Bewohnern und deren Eltern haben wir das Passivhaus für die Körperbehinderten in Celle geplant und die Unterlagen zur Vorlage beim Bauamt vorbereitet. Nach nur acht Tagen erteilte die Stadt Celle in sehr aufgeschlossener und freundlicher Art und Weise das Baurecht. Diese gute Botschaft im Nacken dachten wir nun, wäre auch eine Finanzierung eigentlich kein Problem mehr, zumal der zuständige Sachbearbeiter der entsprechenden Bank bereits die Zustimmung signalisiert hatte. Doch wir haben uns getäuscht. Unter immer neuen und haarsträubenden Vorwänden zögerte er eine Finanzierungszusage raus, verlangte immer wieder Unterlagen, die er bereits hatte, aber zu lange bei ihm lagen und damit nicht mehr verwendbar waren – angeblich. Er bezweifelte wörtlich die Fähigkeit behinderter Menschen, ein eigenes Haus bauen zu können, ließ sich das Unterfangen sogar von uns erläutern – vergebens. Selbst Druck seitens der Presse hat wenig genutzt. Man verweigerte schlichtweg das Gespräch. Nur die engelsgleiche Geduld der Projektverantwortlichen Ursula Grudniok und ganz offensichtlich das drohende öffentliche Unwetter hat die Bank schließlich einlenken lassen. Nach mehr als einem Jahr stand endlich die Finanzierung.
Mein Fazit: Wir Menschen in Deutschland wollen tolerant, aufgeschlossen und fortschrittlich sein. Das Gegenteil trifft zu: Unser Horizont reicht leider nur bis zum Tellerrand. Warum haben wir so große Probleme im Umgang mit Behinderten, die sich aufgrund ihrer Behinderung nicht das Recht auf Träume nehmen lassen wollen? Ich freue mich auf das Bauvorhaben und hoffe auf ganz viel Unterstützung und Nachahmer. Nur Mut. Es geht!
Das Projekt in Fakten und Bildern
Fünf Appartements mit 27 bis 59 Quadratmetern Wohnfläche entstehen im Passivhaus des Vereins zur Förderung Körperbehinderter e.V. Celle. Ein behindertengerechter Aufzug verbindet die beiden Etagen des Neubaus, der durch einen Glasgang mit dem Altbau verbunden ist. Außen wird eine Auffahrrampe für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Und natürlich sind die Appartements den Bedürfnissen gehandikapter Menschen angepasst: Die Türen sind breit genug für Rollstuhlfahrer, nirgendwo gibt es Schwellen und auch in den Bädern müssen keine Hindernisse überwunden werden, um beispielsweise in die Dusche zu gelangen.
Hier nun ein paar Ansichten des neuen Passivhauses:
Sehen Sie hier noch mehr Ansichten.
Passivhaus ist ideale Bauweise
Warum ist ein Passivhaus die ideale Bauweise für Menschen mit einer oder mehrere Behinderungen? Eigentlich macht es keinen Unterschied, ob behindert oder nicht – ein Passivhaus ist nun mal ein Haus mit einem gesunden und angenehmen Raumklima, das weitgehend frei von Sporen, Pollen und Feinstäuben ist. Und genau das ist der Punkt, der so ein Passivhaus zur idealen Bauweise für behinderte Menschen macht.
Die Beschwerden gehandikapter Menschen sind multipel. Sehr oft gehen sie mit Atemwegsproblemen einher, wie Verschleimung, etc. Raumluft in normalen Häusern fördern die Schleimbildung extrem. Die Luft in einem Passivhaus hingegen mindert die Entwicklung zähen Schleims, weil kaum noch Reizstoffe und Stäube vorhanden sind. Die Luft wird ständig ausgetauscht und auf eine angenehme Temperatur gebracht. Das heißt: Auch Temperaturschwankungen sind minimiert.
Das Herzstück eines Passivhauses ist nämlich nicht, wie meist angenommen, die Gebäudehülle. Die ist Voraussetzung für die Funktion des Gebäudes. Es ist die Anlage zur kontrollierten Be- und Entlüftung mit integrierter Wärmerückgewinnung. Sie sorgt für einen regelmäßigen aber nicht spürbaren Luftaustausch im Haus, entzieht der Abluft 98 Prozent der Wärmeenergie und bringt damit die frische gefilterte Luft auf Temperatur. Doch dafür braucht die Anlage nur 60 Prozent der „zurückgewonnen“ Wärmeenergie. Den Rest nutzt ein Kompressor, eine Wärmepumpe, um das Brauchwasser auf 65 Grad zu bringen.
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Passivhaus -Tagebuch
Montag, 1. November 2010
Positive Nachrichten
Deutschland ist das Land der Nörgler? Nein, so würde ich das nicht unterschreiben. Zumindest aus den Reihen unserer Bauherren erhalten wir immer mal wieder sehr positive Reaktionen und Nachrichten. Lesen Sie mehr.
Sonntag, 31. Oktober 2010
Passivhäuser im Wandel der Zeit
Jede Zeit hat ihre Häuser, rede Region ihren typischen Baustil. Dieses Haus hier stammt aus dem Jahre 1999 und passt sich dem Stil seiner Umgebungsbebauung perfekt an, ländlich rustikal.
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Donnerstag, 28. Oktober 2010
Passivhaus zum selber bauen im Trend
Wer heute energetisch vernünftig und weitsichtig bauen will, kommt um ein Passivhaus eigentlich nicht herum. Wer dazu auch noch die Baukosten im Rahmen halten möchte, der denkt zwangsläufig über ein Selbstbaupassivhaus nach. Tatsächlich ist unser Konzept in sich und rund herum stimmig wie auch logisch.
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Montag, 25. Oktober 2010
Stilvolles Passivhaus-Bad
Nein, es gibt natürlich keinen Unterschied zwischen der Einrichtung eines Passivhauses und der einen herkömmlich gebauten Hauses, als Ihren Geschmack. Uns haben schöne Fotos des Bades unserer Bauherrn aus Frankreich erreicht.
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Montag, 11. Oktober 2010
Immer wieder schön anzusehen.
Unsere Bauherren leben im gesamten Bundesgebiet, was rede ich, in der EU verteilt. Man könnte also meinen, dass die einzelnen Passivhäuser derart verstreut liegen, dass sie kaum auffallen.
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Sonntag, 10. Oktober 2010
Bilder helfen bei der Betreuung.
Startschuss für Null-Emissions-Siedlung gefallen.
Täglich erreichen mich Mails mit Anfragen von Bauherren, die gerade ihr Passivhaus bauen oder mit der Bitte um Ratschläge für bestimmte Detaillösungen. Das gehört natürlich zu meinen Aufgaben und ich tue es gern, zumal wir die Antworten auch als ratgebende Elemente in unsere Seiten aufnehmen können. Lesen Sie mehr.
Dienstag, 28. September 2010
Passivhäuser quer durch die Gesellschaft
Die Gemeinde der Passivhausbesitzer wächst, die Gemeinde derer, die sich für so ein Haus interessieren, ebenfalls. Und jene Grupp, die sich für ein Selbstbaupassivhaus interessiert, scheint rasant größer zu werden. Vor allen Dingen aber geht das Thema Passivhaus quer durch die Gesellschaft. Aus allen gesellschaftlichen Lagern erhalten wir Anfragen.
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